Auszug aus der Vereinschronik des FC Glarus: Der Höhepunkt der Saison 1931/32 bildete ein Freundschaftsspiel am 5. Juni 1932 auf dem Zürcher Letzigrund gegen die dritte Mannschaft des FC Zürich als Vorspiel der Finalbegegnung um die Schweizer Meisterschaft zwischen dem Platzclub und Urania Genf vor über 4’000 Zuschauern. Ansonsten war diese Saison, in welcher man in der Serie C (4. Liga) antrat, ein Desaster. Aufgrund eines unerlaubten Übertritts von Top-Torschütze Werner Frieden gingen die beiden Hinrunden-Partien gegen den FC Uster (6:3 Sieg) und den FC Näfels (4:0 Sieg) Forfait mit 0:3 verloren. Auch im Spiel gegen den FC Rapperswil wurden unqualifizierte Spieler eingesetzt (Fritz Grob und Mathis Brunner). Auch dieses Spiel ging mit 0:3 Forfait verloren. Die Spieler Fritz Grob und Mathis Brunner, und der verantwortliche Captain Paul Vogel-Weber wurden mit je einem halben Jahr “Boykott” bestraft. Zu den letzten beiden Saisonspielen gegen den FC Dübendorf und die Sea-Boys aus Stäfa trat man gar nicht mehr an und gab diese Spiele Forfait 0:3 verloren. Somit war das Abenteuer Serie C (4. Liga) nach nur einem Jahr schon wieder beendet.

Spielbericht von Captain Paul Vogel-Weber

Freundschaftsspiel des Fussballklub Glarus gegen die dritte Mannschaft des Fussballklubs Zürich, Sonntag, den 5. Juni 1932 auf dem Stadion “Letzigrund” in Zürich

Anlässlich ihres Tourniersieges haben wir die Zürcher so nebenbei gefragt, ob es nicht möglich wäre, einmal auf ihrem prächtigen Spielplatz ein Freundschaftsspiel als Vorspiel vor einem Nationalligaspiel auszutragen. Die Zürcher Freunde sicherten uns Studium dieser Anregung zu und siehe da, schon bald darauf traf die Meldung ein, der Vorstand des FC Zürich hätte ein solches Spiel genehmigt und auch die Verbandsbehörden seien damit einverstanden. Zugleich traf auch noch die Kunde ein, dass die Junioren des FC Zürich zu einem Spiel nach Glarus begeben möchten. Leider gelang es aber nicht, für zwei Spiele genügend Leute aufzubringen, sodass also notgedrungen das Juniorenspiel verschoben werden musste.

Nun rüstete man gründlich auf das grosse Spiel in Zürich. Sämtliche Spieler leisteten dem Aufgebot Folge und zwar: Ernst Spalinger, Werner Frieden, Charly Sidler, Hans Weber, Albin Fischli, Hans Blazek, Senger, Rhyner, Wali Brunner, Bellati und auch Paul Vogel. Begleitet wurde die Mannschaft von Walter Hug, Dölf Hüsser und Paul Zimmermann (Ersatz).

Frühmorgens um 7.15 traffen sich die meisten Kameraden am Bahnhof, kofferbewehrt und guten Mutes. Bereits um 7.31 mussten wir abfahren, da der angekündigte Extrazug von Glarus weg nicht zustande gekommen war. In Ziegelbrücke hatten wir dann die besondere Freude, eine gute Stunde auf den Extrazug von Chur her zu warten. Einige, darunter der jassbesessene Herr Leutnant Kubli in voller Galauniform, setzten sich an den Tisch und klopften einen Zuge, der unserm Rhyner die Batzen stäuben liess. Endlich gings dann in rascher und flotter Fahrt Zürich zu, wo wir um 10.00 Uhr eintrafen, unsere Koffern verstauten und den Zeughauskeller aufsuchten. Dort wurde ein gutes und billiges Mittagessen eingenommen, der Captain der Zürcher Gäste suchte uns auf und nach dem Rendez-vous im Bahnhof begaben wir uns auf den Letzigrund.

Dort angekommen führte uns der zuvorkommende Platzwart sogleich in einen praktisch eingerichteten Umkleideraum, wo wir uns in aller Wichtigkeit ins Tenue stürzten. Erfreulicherweise stiess dann auch Werner Frieden zu uns und kurz vor Spielbeginn brachten Hüsser und Hug die Kanone Brunner, die sich dann in grösster Eile umkleiden musste. Ein paar Probestüpf auf dem Trainingsplatz waren die letzten Vorbereitungen auf den grossen Gang. Sauber gekleidet, mit neuen Strumpfumschlägen versehen, trabten wir im Laufschritt auf den prächtigen Spielplatz. Platzwahl und schon ging der Tanz los, wobei vorerst die Zürcher sich auf dem grossen Platz weit rascher zurecht fanden. Es klappte bei uns in den Flügelläufen noch nicht vollwertig, sodass der Gegner wiederholt durchstiess. Vorerst vermochten aber Schmidli und Weber mit Spalinger vereint, abzuwehren, doch konnte ein Torerfolg, erzielt durch den gegnerischen Mittelstürmer nicht mehr aufgehalten werden. Zürich führte 1:0 und glaubte wohl, dass die Glarner nun je länger je deutlicher ins Hintertreffen kämen. Aber nun schälten sich auch für uns einige schöne Chancen heraus, die aber vorerst infolge mangelhaftem gegenseitigem Verständnis des Innensturms nicht verwertet werden konnten. Brunner W. schiesst zweimal scharf neben das Tor, bis endlich Frieden mit schönem Schuss ausgleicht. Spalinger hält einen in die rechte hohe Torecke gezielten Schuss glänzend. Unser Angriffsspiel ist allzusehr in die Mitte gerichtet, von wo fast sämtliche Bälle nach dem linken Flügel wandern. Ein Corner, auf der rechten Seite erzielt, führt zu nichts, bis Frieden aus einem Inndurchbruch ein zweite Tor schiesst. mit 2:1 Toren endigt die erste Spielhälfte. wir begeben uns in die Tribüne, wo uns warmer Tee bereitgestellt worden ist. Der Regen, der die erste Viertelstunde anhielt, hatte aufgehört und als wir nach der Pause aufs Feld kommen, lacht uns warmer Sonnenschein entgegen. Sofort nehmen wir die Offensive auf und liegen auch längere Zeit im Angriff, aber der Gegner ist glücklicher und kann wiederum durch seinen Mittelstürmer auf 2:2 gleichziehen. bei uns hat sich die im Sturm vorgenommene Umstellung bewährt, nämlich Brunner W. auf halbrechts und Sidler auf halblinks. Nach einem flotten Angriff von rechts verlängert Brunner die schöne Flanke zu Frieden, der Torwart will sie abfangen, kommt aber zu spät und zu Fall und scharf fliegt das Leder von Werners Kopf ins Tor. Wir führen 3:2. Mächtiger Beifall des inzwischen auf gegen 3000 Zuschauer angewachsene Publikums belohnt das schöne tor, wie wir jetzt überhaupt bei jedem erfolgreichen Vorstoss gewaltig angefeuert werden. Jetzt verteilt Hans Blazek das Spiel um eine ganze Klasse besser als im ersten Half und auch Fischli wird zusehends besser im Angriff und Verteidigung. Bellati läuft am Flügels eins ums andere Mal dem grossen Verteidiger durch, jedesmal mit Spezialbeifall belohnt. Zürich greift wuchtig an, aber Spalinger hält im Fallen den scharfen, gutplatzierten Eckschuss. unsere Halflinie bringt das Leder wieder nach vorn, Brunner umspielt den linken Läufer, legt auf Flügel rechts vor, Centerball zu Sidler, Vorlage zu Frieden, Schuss, und wir führen 4:2. Grosser Beifall! Der Anstoss der Zürcher gelangt zu Weber, der wuchtig befreit, doch ist Zürich wieder im Angriff und erzielt einen Corner, den der linke Flügel prächtig hineingibt, Spalinger aber ebensoschön fängt. Sein Abstoss hätte beinahe durch Hochspringen des gegnerischen Mittelstürmers ein Tor ergeben. Senger deckt oft etwas mangelhaft, spielt aber im ganzen doch ein bisschen besser als Rhyner, der im ersten Half sich einfach nicht zu stellen wusste. trotzdem er sich alle Mühe gab. Wir greifen wieder an, Frieden bricht allein durch und schiesst aus 15 Metern scharf neben den Pfosten. Zwei Corner von links und von rechts bringen uns nichts ein. Brunner hat Mühe, mit seinen Schuhen ohne Tötzchen (es sind ihm alle ausgefallen, weil neue Schuhe) nicht zu Fall zu kommen. Wiederum greifen wir an, unser ganzer Sturm geht geschlossen vor, doch lenkt Zürichs Torwart den unheimlich scharfen Ball Brunners in Corner ab, der wiederum resultatlos verläuft.
In der Feldmitte stoppt Blazek den gegnerischen Halbrechten, flach und genau kommt der Ball zu Vogel, der sofort ebenfalls flach und genau Brunner vorlegt, der die Vorlage wiederum prächtig an den gestarteten Vogel weitergibt, Flanke zu Brunner zurück, von ihm verlängert zu Frieden, stopp —- Schuss und Tor! Der Beifall rauscht über das mächtige Feld, Tribüne und Stehplatzrampen freuen sich an unserm effektvollen Spiel, das zusehends besser geworden ist. Aus einem Angriff kann Zürich wiederum eine Ecke erzwingen, die von Schmidli prächtig abgewehrt wird, wie überhaupt unsere beiden Verteidiger sich sehr gut schlugen, wenn man davon absieht, dass Schmidli sich etwas zu ängstlich allzustark hinten aufgehalten hat. Aufrücken muss auch der Verteidiger. und doch kommt Zürich nochmals zu Trefferehren und zwar mit einem unbedingt haltbaren, harmlosen Roller, der Spalinger durch die Hände und Beine ins Tor rollt. Anstoss, Angriff von links durch Bellati, Abgabe zu Sidler, zu Brunner, zu Frieden, Torschuss .. abgewehrt, Sidler startet und schiesst ein prächtiges sechstes Tor. noch einige Angriffe hüben und drüben. Zürichs Torwart hat entschieden neben ausgesprochenem Können auch Glück, sonst wäre die Torzahl noch höher ausgefallen. Der Schiedsrichter pfeift das rassige, ungemein faire und schöne Spiel ab. Walter Hug macht eine Aufnahme und im Laufschritt gehts vom Platz in die Kabinen.

4000 Zuschauer spenden uns reichen Beifall beim Verlassen des Spielfeldes und jeder, der in diesem Spiel mitwirkte, wird sich immer mit grosser Freude an das schöne Spiel, den herzlichen Beifall und die ganze Zürcherfahrt erinnern. Der Erfolg ist dazu angetan, unsere Kameradschaft noch mehr zu heben, unser Ansehen in Glarus und auswärts zu heben und unsern Verein zu fördern und zu stärken.

Eine warme oder kalte Dousche erfrischte alle und bald sassen wir auf der prächtigen Tribüne, die uns einen ebensolchen Ausblick auf das Spielfeld bot, wo Urania-Genf I und FC Zürich I sich im Final um die schweizerische Meisterschaft massen. Zürich landete einen knappen und verdienten Sieg. Der zweite Teil unserer Zürcherfahrt galt nun dem Magen, der nach wiederholten Versuchen endlich da und dort beruhigt werden konnte. Der Zürcher Torwart leistete uns noch in kameradschaftlicher Weise Gesellschaft. Bald rückte die Zeit der Wegreise heran und verbrachte uns die SBB nach Hause, solche, die es gar zu eilig hatten, sogar noch 10 Minuten vor den andern.

Befriedigt und erfreut ob dem Gelingen der die etwas unglückliche Saison 1931/32 abschliessenden Zürcherfahrt, verzog man sich, um der verdienten Ruhe zu pflegen.

Allen Spielern dankt für ihr flottes Benehmen, ihr aufopferndes Spiel und ihre Kameradschaft.


Dies war im Übrigen nicht das letzte Mal, dass der FC Glarus im Letzigrund spielen durfte. Während den NLB-Saisons 1988/89 und 1989/90 traf der FC Glarus auf den FC Zürich. Damals durfte der FC Glarus sogar zwei Pflichtspiele im altehrwürdigen Letzigrund bestreiten.
27.08.1988 – FC Zürich : FC Glarus 7:1
29.10.1989 – FC Zürich : FC Glarus 2:0