“Ohne Schiedsrichter – keine Spiele” – dies ist ganz einfach. Zwar zeigen die G-Junioren, F-Junioren und E-Junioren seit Jahren, dass es auch ohne Schiedsrichter geht und die Junioren selber für die Einhaltung der Regeln sorgen. Im Liga-Fussball (ab den D-Junioren) geht dies jedoch nicht mehr.
Zudem kann jeder Verein nur eine bestimmte Anzahl an Teams am Meisterschafts-Betrieb anmelden in Abhängigkeit von der Anzahl an ausgebildeten Schiedsrichtern, welche für den jeweiligen Verein im Einsatz stehen. Pro ausgebildeten Schiedsrichter kann ein Verein zwei Teams anmelden. Hat ein Verein z.B. nur einen Schiedsrichter auf der Liste, so kann dieser Verein nur zwei Teams melden. Hat der Verein mehr als zwei Teams, so muss sich der Verein entscheiden, welche zwei Teams er meldet und welches Team in der kommenden Saison nicht am Meisterschafts-Betrieb teilnehmen kann.

Der FC Glarus ist in der glücklichen Lage, dass er fünf ausgebildete Schiedsrichter hat, welche Woche für Woche im Einsatz stehen. Die fünf Helden sind:
– Ernst Schläpfer
– Markus Heer
– Marc Schneider
– Michele Giacalone
– Branislav Spasojevic

Gerne stellen wir euch die fünf Helden des FC Glarus etwas näher vor.
Wir haben ihnen mit teils kritischen Fragen auf den Zahn gespürt.

Ernst Schläpfer

Name: Ernst Schläpfer
Alter: 67 Jahre (27.04.1954)
Beim FC Glarus seit: 1965 – er durchlief alle Juniorenstufen bis zu den A-Junioren (Inter) als Torhüter
Schiedsrichter seit: 1978 – seine Karriere brachte ihn bis zum 1. Liga Schiedsrichter
Schiedsrichter-Instruktor SFV seit: 1987
Schiedsrichter-Coach (Inspizient) seit: 1987
Präsident der Schiedsrichter-Kommission OFV und Mitglied SK SFV Ressort 2: 1996 bis 2005
Schiedsrichter-Coach (Inspizient) Qualifikation für die Saison 2021/2022: 2. Liga Interregional

Lieblingsverein: FC Barcelona
Lieblingsspieler: Lionel Messi
Bester Fussballer aller Zeiten: Lionel Messi

Welches waren Deine besten Schiedsrichter-Erlebnisse?
– Liechtensteiner-Cupfinal FC Balzers vs. USV Eschen/Mauren (04.05.1989)
– Aufstiegs-Entscheidungsspiel 1. Liga SC Derendingen vs. FC Bassecourt
– Diverse Spiele an internationalen Turnieren in Deutschland

Sollte allgemein Reklamieren strenger mit gelb geahndet werden (bezogen auf den internationalen Fussball)? 
Gelb für Reklamieren wird international gut umgesetzt. Man sollte jedoch das «Gras nicht wachsen hören» und nur bei lautstarkem und nach aussen klar ersichtlichem Reklamieren gelb zeigen.

Sollte im internationalen Fussball generell die gelbe Karte für eine Schwalbe gezeigt werden (dies kann ja per VAR inzwischen einfach überprüft werden)? 
Bei einer Schwalbe soll der VAR nicht eingreifen, hier muss der Schiedsrichter entscheiden und nur bei einer klaren Schwalbe gelb zeigen.

Ist die aktuelle Handspiel-Regel für euch als Schiedsrichter klar? 
Die heutige Handspiel-Regel kann fast nicht mehr einheitlich ausgelegt werden.

Was haltet ihr persönlich vom VAR?
Ich finde den VAR persönlich gut, wenn er dosiert und gleich gemäss VAR-Protokoll eingesetzt wird, es macht den Fussball gerechter.

Welchen Schiedsrichter bewundert ihr, und weshalb?
Auf internationaler Ebene bewundere ich Cüneyt Cakir (Türkischer Schiedsrichter). Er hat eine natürliche Autorität, ein souveränes, ruhiges, besonnenes und doch strenges und diszipliniertes Auftreten und einen sehr guter Umgang mit Spielern und dem Umfeld.

Wieso soll ein 16jähriger Schiedsrichter werden? Was würdet ihr ihm empfehlen?
Um als Schiedsrichter Karriere zu machen, sollte man sehr früh (ideales Alter 16) mit dem Schiedsrichter-Hobby beginnen.

Habt ihr das Gefühl, dass die Spieler und Trainer die Regeln gut kennen, oder gibt es hier noch Handlungsbedarf?
Es würde den Trainern und den Spielern sicher nicht schaden. Es wäre sogar zum Teil dringend nötig, dass sie sich vermehrt mit den Fussball-Regeln auseinandersetzen würden.

Wie geht ihr mit Kritik betreffend eurer Schiedsrichter-Leistung von Spielern und Trainer um? Diese sind ja nicht immer zimperlich mit Kritik.
Mit Kritik muss ein Schiedsrichter umgehen können, nur sollte diese nicht unter die Gürtellinie gehen.

Schwarz oder weiss?
Ronaldo oder Messi? Messi
Xhaka oder Shaqiri? Xhaka
Nennst Du die höchste Schweizer Fussball Liga “Super League” oder immer noch “NLA”? Super League
Bier oder Wein? Wein
Schokolade oder Gummibärchen? Schokolade
Bratwurst oder Cervelat? Bratwurst
Adidas oder Macron Schiedsrichter-Dress? Adidas

Marc Schneider

Name:  Marc Schneider
Alter: 25
Beim FC Glarus seit…. 2017
Schiedsrichter seit…. 2017
Schiedsrichter-Qualifikation für die Saison 2021/2022: Schiedsrichter: 2. Liga / Schiedsrichter-Assistent: 2. Liga Interregional

Was sind eure Ziele als Schiedsrichter, welche ihr noch erreichen möchtet?
Zurzeit bin ich etwas zwischen Bank und Tisch: Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich noch viel weiterkommen möchte, da ich in Zukunft auch beruflich ziemlich gefordert werde. Mein Bauchgefühl wird mir das Richtige sagen; in einem Jahr weiss ich bestimmt mehr.

Lieblingsverein: Eigentlich keinen bestimmten. Der BVB ist mir allerdings ziemlich sympathisch.
Lieblingsspieler: Auch hier gibt es für mich nicht diesen einen Spieler. Yann Sommer empfinde ich allerdings als Spieler aber auch als Menschen enorm stark.
Wer ist eurer Meinung nach der beste/grösste Fussball-Spieler aller Zeiten? Cristiano Ronaldo

Bestes Schiedsrichter-Erlebnis Deiner Karriere? 
In den vier Jahren in denen ich nun Spiele leite, gab es nur wenige Spiele, die mir Rückblickend negativ in Erinnerung geblieben sind. Die meisten meiner Spiele darf ich also als schönes Erlebnis bezeichnen. Besonders war bestimmt mein Einsatz als Schiedsrichter-Assistent beim Cup-Spiel zwischen dem FC Linth 04 und dem FC Schaffhausen. Da war ich als Zuschauer vor Ort, als sich ein Schiedsrichter-Assistent verletzte. In der Folge suchte man unter den Zuschauern nach ausgebildeten Schiedsrichtern – worauf ich mich meldete und in der zweiten Halbzeit an der Linie stand. Eine tolle Erfahrung!

Sollte allgemein Reklamieren strenger mit gelb geahndet werden (bezogen auf den internationalen Fussball)? 
Für mich persönlich gibt es zwei Arten des Reklamierens: Eine sachliche Diskussion respektive eine Nachfrage eines Spielers, weshalb der Schiedsrichter so entschied und das zu verstehen versucht und allenfalls seine Sicht kundtut. Dann gibt es die andere Art von Spieler, welche permanent alles hinterfragen und die Schiedsrichter bei jedem Pfiff damit konfrontieren. Diese Spieler gilt es in den Griff zu bekommen und nach einer Ermahnung zu verwarnen. Ich denke, dass der Ball auch bei den Vereinen liegt, die Spieler zu sensibilisieren, damit diese Entscheide akzeptieren, auch wenn sie möglicherweise falsch sind. Denn der Schiedsrichter entscheidet nie bewusst falsch – ändert allerdings seinen Entscheid auch nach einer Diskussion nicht. Es gibt bei Gesprächen auf dem Platz aber die Möglichkeit für den Schiedsrichter hinzustehen und zu sagen: «Ja, das habe ich wohl falsch gesehen, Sorry».

Sollte im internationalen Fussball generell die gelbe Karte für eine Schwalbe gezeigt werden (dies kann ja per VAR inzwischen einfach überprüft werden)? 
Schon heute werden gelbe Karten gezeigt, wenn offensichtlich kein Ballkontakt da war und der Spieler sich dennoch fallen lässt. Dennoch denke ich, dass man ruhig mehr Karten dafür zeigen dürfte. Das müssten dann allerdings alle Schiedsrichter konsequent durchziehen.  Es würde den Fussball ein wenig fairer machen und die Spieler würden sich möglicherweise wieder mehr ums Fussballspielen kümmern als damit, den Schiedsrichter zu beeinflussen.

Ist die aktuelle Handspiel-Regel für euch als Schiedsrichter klar? 
Nein. Das ist sie aber auch für Bundesliga-Schiedsrichter nicht.

Was haltet ihr persönlich vom VAR?
Guter und richtiger Ansatz. Die Wartezeiten bei der Überprüfung eines Tores ist aus meiner Sicht allerdings ein Stimmungskiller. Es benötigt weitere Anpassungen.

Welche Mannschaft pfeift ihr am liebsten und weshalb? 
Dazu kann ich nichts sagen. Ich habe zu keiner einzigen Mannschaft einen speziellen Draht.

Welchen Schiedsrichter bewundert ihr, und weshalb?
Für mich ist der Schweizer Sandro Schärer enorm bewundernswert. Er hat eine enorme Ausstrahlung und führt die Spieler Vorbilds mässig. Für mich ist er einer, der es ganz weit schaffen wird.

Wieso soll ein 16jähriger Schiedsrichter werden? Was würdet ihr ihm empfehlen?
Es ist eine tolle Sache, sofern man sich gerne selber fordert und ein Händchen im Umgang mit Menschen hat und bereit ist, sich stetig zu verbessern und mit Kritik umgehen kann. Es ist auf jeden Fall ein enorm lehrreiches Hobby. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich die Schiedsrichterei nicht jedem 16jährigem empfehlen würde. Ich selbst wäre in diesem Alter noch nicht bereit gewesen. Wenn ich könnte, hätte ich dennoch ein wenig früher damit begonnen, Spiele zu leiten. Ich persönlich wäre mit 19 bestimmt bereit gewesen.

Habt ihr das Gefühl, dass die Spieler und Trainer die Regeln gut kennen, oder gibt es hier noch Handlungsbedarf?
Im Grundsatz kennen die Beteiligten die Regeln gut. Allerdings kommt es zu seltenen Situationen im Spiel, bei denen dann wir Schiedsrichter gefordert sind und auch überlegen müssen, was nun zu tun ist. Dann wissen die Spieler meist wenig darüber, wie die Spielfortsetzung ist. Ich denke nicht, dass die Spieler und Trainer die Regeln besser kennen müssen. Es gibt jedoch ein gutes Regelquiz, welches uns Schiedsrichtern Jahr für Jahr hilft, uns für den jährlichen Regeltest vorzubereiten. Nähme mich mal wunder, wie die Spieler und Trainer dabei abschneiden würden.

Wie geht ihr mit Kritik betreffend eurer Schiedsrichter-Leistung von Spielern und Trainer um? Diese sind ja nicht immer zimperlich mit Kritik.
Das ist für mich immer Situationsabhängig. Bei einigen Dingen bin ich sehr offen und sage den Beteiligten auch, wenn ich selbst der Überzeugung bin, dass ich falsch lag. Ich mag konstruktive und faire Dialoge nach den Spielen. Dann gibt es jedoch diese Spieler und Trainer, welche nach einer Niederlage alles zu kritisieren wissen. Hierbei schalte ich auf Durchzug.

Schwarz oder weiss….
Ronaldo oder Messi? Je länger desto eher Ronaldo
Xhaka oder Shaqiri? Xhaka
Nennst Du die höchste Schweizer Fussball Liga “Super League” oder immer noch “NLA”? Super League
Bier oder Wein? Kommt auf den Anlass an – bei Fussball klar Bier
Schokolade oder Gummibärchen? Schokolade
Bratwurst oder Cervelat? Bratwurst
Adidas oder Macron Schiedsrichter-Dress? Adidas

Michele Giacalone

Name: Michele Giacalone
Alter: 16 Jahre alt (im September 17 Jahre)
Beim FC Glarus seit den F-Junioren. Seither durchlief ich alle Junioren-Kategorien beim FC Glarus.
Schiedsrichter seit dem 15.08.2020. Dort fand mein erstes Spiel der C-Junioren zwischen den beiden Mannschaften FC Rapperwil-Jona U-16 Mädchen und dem FC Rüti GL statt. Das Spiel konnte der FC Rüti GL mit einem Endresultat von 1:7 klar für sich entscheiden.
Schiedsrichter-Qualifikation für die Saison 2021/2022: 5. Liga – er hat in der letzten Beurteilung vor der Sommerpause durch einen Inspizienten sogar den Vorschlag erhalten, in die 4. Liga aufzusteigen.

Was sind eure Ziele als Schiedsrichter, welche ihr noch erreichen möchtet?
Ich habe als junger Schiedsrichter viele Ziele, die ich gerne noch erreichen möchte. Mein nächstes Ziel ist es die 4. Liga Qualifikation zu erhalten und gleich danach die 3. Liga Qualifikation. Nebenbei möchte ich es sehr gerne in die Talentgruppe des SFV schaffen. Das ist mein grösstes Ziel.

Lieblingsverein: Juventus Turin
Lieblingsspieler: Matthijs de Ligt (Innenverteidiger Juventus Turin aus den Niederlanden)
Wer ist eurer Meinung nach der beste/grösste Fussball-Spieler aller Zeiten? Meiner Meinung nach ist Cristiano Ronaldo der grösste, beste und erfahrenste Fussball-Spieler aller Zeiten. Dafür gibt es für mich plausible Erklärungen: Ronaldo hat in seiner ganzen Fussball-Karriere bei vielen Mannschaften gespielt und hat immer überragende Leistung in jeder Liga gezeigt. Damit hat er sich zum besten Fussball-Spieler aufgearbeitet. Mit seiner Stärke und der Power, die er besitzt, macht dies ihn zum besten Spieler.

Bestes Schiedsrichter-Erlebnis Deiner Karriere?
Mein bestes Erlebnis in der Schiedsrichter-Karriere passierte kürzlich (26.06.2021) bei meinem ersten 5. Liga Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Bad Ragaz 2 und dem FC Mels 3 (Derby-Time!). In diesem Spiel konnte keine der beiden Mannschaften mehr in die 4. Liga aufsteigen, aber trotzdem war das Spiel sehr umkämpft und hart! Das ganze Spiel wurde mit hohem Tempo gespielt, aber damit hatte ich keine grossen Probleme. Obwohl ich der Jüngste auf dem Platz war, wurde ich als “Chef” angesehen und akzeptiert. Hier merkt man, dass das Auftreten beim Schiedsrichter viel ausmacht. Das Spiel gewann der FC Bad Ragaz 3:2, davon erzielte der Gastgeber zwei Penalty-Tore.
Nun kommt das Beste vom Tag: Ich wurde von einem Inspizienten beurteilt und bewertet. Dieser hat sich gleich nach dem Spiel bei mir gemeldet und wir haben uns zusammen die Beurteilung angeschaut. Bei diesem Gespräch habe ich positive Kritiken erhalten, sowie Verbesserungsvorschläge. In diesem Coaching (es war mein erstes 5. Liga Meisterschaftsspiel, welche ich geleitet habe), hat er mir den Vorschlag gegeben, in die 4. Liga aufzusteigen. Als ich das mitbekommen habe, habe ich mich innerlich riesig gefreut und hätte aufspringen können, was ich aber nicht tat, weil ich seriös sein wollte. Ich habe natürlich gelächelt. Er sagte, wenn ich so weiter machen würde, wäre die 3. Liga Qualifikation ohne grosse Probleme möglich und alles darüber sei im Bereich des Möglichen.

Sollte allgemein Reklamieren strenger mit gelb geahndet werden (bezogen auf den internationalen Fussball)?
Meiner Meinung nach sollte Reklamieren stärker geahndet werden, als bisher. Mit Disziplinarmassnahmen würde das Reklamieren in Zukunft eventuell abnehmen.

Sollte im internationalen Fussball generell die gelbe Karte für eine Schwalbe gezeigt werden (dies kann ja per VAR inzwischen einfach überprüft werden)?
Auch bei Schwalben sollte man konsequenter reagieren, da Schwalben sich im Fussball immer weiter verbreiten.

Ist die aktuelle Handspiel-Regel für euch als Schiedsrichter klar?
Die Handspiel-Regel ist meiner Meinung eigentlich klar. Jeder Schiedsrichter soll ein eigenes Mass finden, was ein absichtliches Handspiel ist oder nicht. Jedoch bin ich der Meinung, dass es eine einheitliche Regel braucht, die besagt, egal ob absichtlich oder nicht, dass jedes Handspiel bestraft werden soll. So gibt es eventuell weniger Reklamationen auf den Fussball-Plätzen.

Was haltet ihr persönlich vom VAR?
Der Video Assistant Referee hat Vor- und Nachteile: Die Vorteile sind, dass der Schiedsrichter unklare Situationen nochmals beurteilen und vielleicht auch umentscheiden kann. Die Nachteile sind, dass die Spieler und Zuschauer sich bei einem Tor nicht sofort freuen können, da der VAR die Freude einem wegnehmen kann und sich der Schiedsrichter zum Beispiel auf Offside umentscheiden muss!

Welche Mannschaft pfeift ihr am liebsten und weshalb?
Ich arbitriere heute am liebsten die Teams in der 5. Liga, da ich bei den Erwachsenen Erfahrungen sammeln möchte und obwohl ich der Jüngste auf dem Platz bin, der “Chef” dieses Spiels bin.

Welchen Schiedsrichter bewundert ihr, und weshalb?
Ich bewundere den italienischen Schiedsrichter Pierluigi Collina, weil er sich von den Spielern und Coaches hoch respektiert wurde und trotz seiner unerbittlichen Art auch Humor und Mitgefühl zeigte.

Wieso soll ein 16jähriger Schiedsrichter werden? Was würdet ihr ihm empfehlen?
Ich empfehle jedem, der die Verbindung mit Fussball beibehalten möchte und Verantwortung übernehmen möchte, mit dem Hobby Schiedsrichter zu beginnen. Du sammelst damit nicht nur viel Erfahrung als Schiedsrichter sondern auch im Privatleben. Du stärkst damit dein Selbstbewusstsein, stärkst deine Entscheidungen durchzusetzen und gleichzeitig verdienst du ein bisschen Taschengeld.

Habt ihr das Gefühl, dass die Spieler und Trainer die Regeln gut kennen, oder gibt es hier noch Handlungsbedarf?
Bei diesem Thema finde ich, gibt es recht viel Handlungsbedarf! Viele Trainer und Spieler kennen die Regeln mehr schlecht als recht.

Wie geht ihr mit Kritik betreffend eurer Schiedsrichter-Leistung von Spielern und Trainer um? Diese sind ja nicht immer zimperlich mit Kritik.
Ich akzeptiere gerne Kritik von Spielern und Trainern, da ich mich damit weiterentwickeln kann. Aber ich akzeptiere dies nur, wenn ich auch anständig und resperktvoll darauf angesprochen werde. Unanständige und kindische Reklamationen, weil man z.B. ein Spiel knapp verloren hat, kann ich nicht akzeptieren. Ich gebe zwar jeweils vor, dass ich diese Kritik annehme, aber ich gebe darauf keine Antwort.

Schwarz oder weiss….
Ronaldo oder Messi? Ronaldo
Xhaka oder Shaqiri? Xhaka
Nennst Du die höchste Schweizer Fussball Liga “Super League” oder immer noch “NLA”? Super League
Bier oder Wein? Bier, ab und zu ist es ok
Schokolade oder Gummibärchen? Schokolade
Bratwurst oder Cervelat? Bratwurst
Adidas oder Macron Schiedsrichter-Dress? Macron Schiedsrichter-Dress

Branislav Spasojevic

Name: Branislav Spasojevic
Alter: 32 Jahre alt
Beim FC Glarus seit…. Herbst 2020
Schiedsrichter seit… 2010 (bis 2016 pfiff Branislaw in Bosnien. Danach machte er vier Jahre Pause. Seit 2020 ist er als Schiedsrichter in der Schweiz aktiv)
Schiedsrichter-Qualifikation für die Saison 2021/2022: 5. Liga

Was sind eure Ziele als Schiedsrichter, welche ihr noch erreichen möchtet?
Ich möchte an einer Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft pfeifen. Ich wäre aber auch schon mit der Qualifikation für die 3. Liga zufrieden.

Lieblingsverein: Manchester United
Lieblingsspieler: Lionel Messi
Wer ist eurer Meinung nach der beste/grösste Fussball-Spieler aller Zeiten? Cristiano Ronaldo

Bestes Schiedsrichter-Erlebnis Deiner Karriere?
Das erste Spiel, welches ich in der Schweiz nach vier jähriger Schiedsrichter-Pause wieder pfeifen durfte. Es war ein spezielles aber sehr schönes Gefühl.

Ist die aktuelle Handspiel-Regel für euch als Schiedsrichter klar?
Die Theorie (Regeln) ist ganz klar. Die Umsetzung (Entscheidung) auf dem Spielfeld ist jedoch schwieriger.

Was haltet ihr persönlich vom VAR?
Der VAR ist grundsätzlich eine gute Sache. Manchmal habe ich jedoch das Gefühl, dass er den reichen Clubs mehr hilft.

Welche Mannschaft pfeift ihr am liebsten und weshalb? 
Den FC Eschenbach, weil ich in Eschenbach mein erstes Spiel in der Schweiz pfeifen durfte und ich mich sehr gerne an dieses Spiel zurückerinnere.

Habt ihr das Gefühl, dass die Spieler und Trainer die Regeln gut kennen, oder gibt es hier noch Handlungsbedarf?
Ich habe das Gefühl, dass die Spieler und Trainer in der Schweiz gute Regel-Kenntnisse haben.

Wie geht ihr mit Kritik betreffend eurer Schiedsrichter-Leistung von Spielern und Trainer um? Diese sind ja nicht immer zimperlich mit Kritik.
Mit Kritik kann ich eiskalt umgehen. Ich versuche mich auf das Spiel zu konzentrieren. Kritik nehme ich während den 90 Minuten überhaupt nicht wahr.

Schwarz oder weiss….
Ronaldo oder Messi? Messi
Xhaka oder Shaqiri? Xhaka
Nennst Du die höchste Schweizer Fussball Liga “Super League” oder immer noch “NLA”? Super League
Bier oder Wein? Bier
Schokolade oder Gummibärchen? Schokolade
Bratwurst oder Cervelat? Bratwurst
Adidas oder Macron Schiedsrichter-Dress? Adidas

Markus Heer

Der fünfte Schiedsrichter des FC Glarus ist Regierungsrat Dr. Markus Heer.

Der FC Glarus möchte sich bei seinen fünf Schiedsrichtern recht herzlich für ihr Engagement bedanken.


www.watson.ch hat am 18. Juli 2021 einen spannenden Bericht über eine Schiedsrichter veröffentlicht, welchen wir euch in diesem Rahmen gerne auch zur Verfügung stellen.

Patrick ist Amateur-Schiedsrichter und pfiff bisher rund 100 Spiele in den unteren Schweizer Ligen.

WAS ICH WIRKLICH DENKE
«Ihr verliert nicht meinetwegen, ihr seid einfach schlecht» – ein Schiedsrichter erzählt
  • Patrick* ist Mitte zwanzig und Amateurfussball-Schiedsrichter.
  • Patrick pfeift Spiele, seit er 17 Jahre alt ist. Er hat bisher rund 100 Spiele in den unteren Schweizer Ligen geleitet.
  • Pro Spiel bekommt er normalerweise 100 Franken als Entschädigung. Der Aufwand beläuft sich auf etwa vier Stunden.
  • Er weiss, dass er nicht der Beste seines Faches ist. Die Fussballer, die er pfeift, sehen sich aber oft eine Stufe direkt unter Cristiano Ronaldo.

Als Schiedsrichter muss man mit den eigenen Fehlern leben können, ansonsten sollte man es besser lassen. Wer ein Amateurspiel ohne Assistenten pfeift, macht nun mal Fehler. Das ist unvermeidlich. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Spieler, die jeden zweiten Pass zum Gegner spielen, von mir erwarten, dass ich 20 von 20 Entscheidungen richtig treffe. Wenn ich alles richtig einschätzen könnte, wäre ich in der Champions League und nicht auf einem Bolzplatz.

Manchmal frage ich mich ja selbst, weshalb ich mich entschieden habe, einen Teil meiner Freizeit als Amateur-Schiedsrichter zu verbringen. Nun, der ausschlaggebende Punkt war wohl meine Arroganz. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich es besser kann als die anderen. Bei den Spielen der Profis habe ich mich so oft über Fehler aufgeregt und mich vor allem bei meiner Lieblingsmannschaft vom Schiedsrichter benachteiligt gefühlt. Eines Tages habe ich den inneren Antrieb gespürt, zu zeigen, dass ich es wirklich besser kann und nicht nur wie viele zu Hause schlecht über Schiris rede, ohne zu wissen, wie es wirklich ist.

Einen Regelkurs und einen Konditionstest später habe ich mein erstes Spiel der C-Junioren geleitet, mit 18 habe ich meine erste Partie von Erwachsenen gepfiffen. Der Respekt vor der Aufgabe war dort grösser, da ich noch etwas eingeschüchtert war und beweisen wollte, dass ich auch auf dieser Stufe bestehen kann. Ich war fast der Jüngste auf dem Platz, hatte aber glücklicherweise keine grossen Probleme, respektiert zu werden. Dies hängt wohl auch damit zusammen, dass ich relativ gross bin und so automatisch eine Grundautorität auf das Feld bringe.

Mittlerweile motivieren mich auch der kleine Nebenverdienst und die sportliche Betätigung. Wenn man das Spiel als Schiedsrichter wirklich im Griff haben will, muss man ständig in Bewegung sein. Ich renne wohl mehr als die meisten Spieler, da ich das gesamte Feld abdecken muss. Bei Ecken muss ich auf der Grundlinie stehen, um die Torlinie bei knappen Entscheiden im Blick zu haben. Wenn es da einen Konter gibt, muss ich vom einen Ende ans andere sprinten. Dazu kommt, dass man sich keine Pausen auferlegen kann – wenn der lange Ball kommt, muss man rennen. Die Spieler hingegen können sich auf diesem Level immer aus- und wieder einwechseln lassen.

Als Unparteiischer sollte man immer versuchen, die Gefühle aus dem Spiel zu lassen. Wenn ich jetzt sagen würde, dass mir das immer gelingt, wäre das gelogen. Die meisten Spieler sind unauffällig und machen keine Probleme, doch es gibt auch solche, die jeden Pfiff kommentieren oder ständig den Arm heben, um zu reklamieren. Da suche ich manchmal eine Möglichkeit, ihnen eine Karte zu geben. Für ein eigentlich harmloses Foul kann es dann mal Gelb geben. Oder der betreffende Spieler bekommt den Freistosspfiff nicht, obwohl er eigentlich gefoult wurde.

Zum Beispiel hat mich ein Spieler mit seinem Gemotze und unangenehmen Verhalten das ganze Spiel über genervt. Als ein Gegenspieler, der bereits Gelb gesehen hatte, ihm dann mit offener Sohle gegen das Schienbein trat, habe ich die Härte des Fouls bewusst übersehen. Ich wollte dem nervigen Spieler die Genugtuung nicht geben, dass sein Gegner vom Platz gestellt wurde. Das war nicht korrekt von mir, aber in diesem Moment konnte ich die Gefühle nicht ganz vom Spiel trennen.

Ein Spieler kann sich meine Gunst auch erarbeiten, wenn er beispielsweise seine motzenden Spieler beruhigt, meine Entscheidungen unterstützt und sich sehr fair verhält. Diesem glaubt man dann eher, wenn es um knappe Entscheide geht. Natürlich verlasse ich mich nicht darauf, aber wenn ich etwas nicht richtig gesehen habe und Aussage gegen Aussage steht, vertraue ich dem Spieler mehr, der sich zuvor besser verhalten hat.

Meistens ist es pro Spiel etwa eine Person, die sich ständig negativ bemerkbar macht. Leider reicht diese meistens aus, um Unruhe ins ganze Spiel zu bringen, da diese Person die anderen Spieler auf dem Platz auch «anstecken» kann und auf einmal alle anfangen zu motzen oder hart zu foulen. Das macht es extrem schwer, wenn die Spieler jeden Pfiff kommentieren. Das verunsichert mich dann auch und ich hinterfrage meine Entscheidungen selbst oder frage mich, ob ich wirklich schlecht pfeife.

Während dem Spiel hat man als Amateur-Schiedsrichter ja auch keine Unterstützung oder neutrales Feedback, weshalb man nie wirklich weiss, ob alle Entscheidungen richtig oder zumindest keine krassen Fehler darunter waren. Das muss man mit sich selbst ausmachen. Ich versuche mich dann, an einzelnen Entscheiden hochzuziehen. Wenn ich in der Folge etwas sicher sehe, andere dies aber nicht so wahrgenommen haben, denke ich mir: «So schlecht machst du es ja gar nicht.» Kommen diese Momente aber nicht und ein unsicherer Entscheid reiht sich an den anderen, muss man die 90 Minuten einfach überstehen. Ich war auch schon mal froh und erleichtert, wenn das Spiel vorbei war.

Wenn ich spüre, dass ein Spiel langsam gehässig wird, versuche ich so schnell wie möglich mit gelben Karten ein Zeichen zu setzen in der Hoffnung, wieder Ruhe ins Spiel zu bringen. In diesen Fällen ist es meine Aufgabe, die Spieler auch vor sich selbst und ihrer Aggression zu schützen. Es ist ein Hobbysport und alle sollen gesund nach Hause kommen und am nächsten Tag in der Lage sein, zur Arbeit zu gehen.

Dass es gehässig wird, passiert hauptsächlich, wenn das Spiel deutlich ist. Da kommen dann Frustfouls oder es wird nachgetreten, da die Spieler genervt sind. Meistens ist das aber nur eine Phase, denn das Team, das deutlich hinten liegt, ist meistens auch 15 oder 20 Minuten später noch in Rückstand und zieht die übertriebene Härte nicht über den Rest des Spiels durch. In engen und umkämpften Spielen ist es eher ein sportlicher Kampf. Da geht es heiss zu und her, aber es gibt selten grobe Unsportlichkeiten oder Ähnliches.

Wenn ein Team aber 0:7 hinten liegt und deren Spieler immer noch motzen, denk ich mir dann auch: «Ihr verliert nicht meinetwegen, sondern einfach weil ihr schlecht seid.»

Zu Beginn meiner «Schiedsrichter-Karriere» war dies noch anders. Da hatte ich vor den Spielen schon ein wenig Angst, dass ich einen Fehler mache. In solchen Situationen ist es wichtig, in den ersten Minuten gut hineinzukommen und nicht schon nach 20 Minuten der Buhmann zu sein. Dies hat sich mit der Zeit und der Erfahrung gelegt. Bei Sachen, die ich nicht sehen kann, mache ich mir sowieso keine Vorwürfe, aber wenn ich auf eine Schwalbe reinfalle oder etwas Wichtiges nicht sehe, kann das Spiel sehr schnell sehr hektisch werden und eine Mannschaft ist dann immer unzufrieden. Man hofft da einfach, dass dieser Moment nicht kommt oder wenn es einen Penalty gibt, dass dieser glasklar ist und man nicht in einer engen Szene das Spiel entscheiden muss.

Es wird auch immer wieder von Kompensationspfiffen gesprochen. Das sollte man als Unparteiischer tunlichst vermeiden, da man ansonsten immer hinterherläuft und die Kontrolle über das Spiel verliert. Dennoch hoffe ich nach engen Elfmeterentscheiden manchmal, dass es sich etwas ausgleicht, und man nicht noch einen Elfmeter gegen dasselbe Team pfeifen muss. Davon dürfte man sich im weiteren Spielverlauf nicht beeinflussen lassen, aber so ganz aus dem Kopf gehen solche Gedanken nicht. Auch wenn ich dies unterlassen sollte, habe ich bei knappen Entscheiden, die nicht spielentscheidend waren, auch schon mal ausgleichende Gerechtigkeit walten lassen.

Nach den Spielen kann ich eigentlich gut abschliessen. Ab und zu reflektiere ich die Partie nochmals und überlege beispielsweise, wo ich hätte besser stehen können. Aber man bekommt die Fehlentscheide ja auch nicht wirklich mit. Wenn ich etwas entscheide und im Moment davon ausgehe, dass es richtig ist, kann mir niemand Fernsehbilder zeigen und mich vom Gegenteil überzeugen.

Trotzdem gibt es auch Spiele oder einzelne Entscheide, die mir im Gedächtnis bleiben. Ich habe mal ein Spiel gepfiffen, da ging es um den Aufstieg. Die Stimmung war ohnehin aufgeheizt und der Platz war auch noch sehr klein, was zusätzlich zu vielen Zweikämpfen führt. Dennoch ging es lange Zeit gut und auch ein Elfmeter, den ich gegeben habe, wurde von allen akzeptiert. Mit dem Führungstreffer wurde das Spiel aber ruppiger und die Spieler fingen an zu motzen. Der Punkt, an dem es kippte, war dann ein Tor, das ich zunächst gegeben hatte, nach kurzem Überlegen aber gemerkt habe, dass es nicht korrekt war.

Ein solches Zögern kann schnell dazu führen, dass die Spieler das Gefühl haben, man könne Einfluss auf die Entscheide nehmen. In diesem Fall wussten die meisten aber, dass es richtig war, das Tor zurückzunehmen und ich konnte die Kontrolle über das Spiel mehr oder weniger behalten. Im Nachhinein war es ein tolles Spiel, aber im Moment war ich schon etwas verunsichert.

Bei gewissen Spielen weiss man schon im Voraus, dass es unangenehm und hart werden wird. Ich schaue mir auch immer die Tabelle und die Strafpunkte der Teams an und mache mir ein erstes Bild. Bei den Spielerkontrollen fallen die «Pausenclowns» meistens schon auf. Auf diese Spieler muss man meistens ein genaues Augenmerk legen, da sie im Team häufig ein hohes Standing haben und sich dann auch im Spiel auffällig verhalten.

Grösstenteils verhalten sich die Spieler und Trainer aber anständig und ich habe viele positive Erfahrungen gemacht. Ich wurde nur einmal offen beleidigt, nachdem ich einem Spieler die rote Karte gezeigt habe. Dieser hat dann meine Mutter beleidigt, was in mir aber mehr Genugtuung ausgelöst hat, da ich wusste, dass dieser gesperrt werden würde und auch noch eine dreistellige Busse bezahlen muss. Nach dem Spiel unterhalte ich mich auch noch kurz mit beiden Teams und ein kleines Lob für meine Leistung kommt eigentlich immer. Das ist jedes Mal schön, doch so richtig schätze ich es eigentlich nur, wenn es von der Verlierermannschaft kommt. Dann merkt man, dass man wirklich gut gepfiffen hat, da sie sich die Ausrede des schlechten Schiedsrichters so selbst nehmen.

Einmal ist ein Juniorenteam mit zu wenigen Spielern angereist und geriet klar in Rückstand. Die Spieler hatten keine Lust mehr, also bin ich zu ihnen gegangen und habe ihnen erklärt, wie sie für einen Spielabbruch sorgen könnten. Es musste lediglich einer der Jungs eine gelbe Karte holen, da sie dann zu wenige Spieler auf dem Feld gewesen wären. Zunächst zögerten sie noch, doch bald hatte einer von ihnen genug, packte einen Spieler und hielt diesen fest. So musste ich das Spiel vorzeitig abbrechen.

Solche lustigen Momente passieren immer mal wieder. Beispielsweise hat sich ein Spieler den Einwurf mal selbst vorgelegt und als ich ihn gefragt habe, was er da mache, sagte er: «Im FIFA ist es gegangen, da habe ich gedacht, ich probiere es auch mal.» Die Mitspieler und Zuschauer haben alle gelacht.