Der FC Glarus schaut auf eine über 100 Jahre lange Fussball-Tradition zurück. In diesen über 100 Jahren gab es viele Persönlichkeiten, welche den FC Glarus geprägt haben. Einige nahm man mehr zur Kenntnis, andere weniger. Wir möchten in losen Abständen über solche Persönlichkeiten berichten, damit die Leser dieser Homepage diese Personen auch ein wenig kennenlernen.
Den Anfang dieser Serie machten wir mit dem Bericht über Andre Gonçalves Caetano. Der ehemalige FC Glarus Junior wurde im Jahr 2009 U17 Fussball-Weltmeister mit der Schweizer U17 Nationalmannschaft.

Heute möchten wir euch eine Persönlichkeit vorstellen, welche stark im Hintergrund arbeitet und selten im Rampenlicht steht.

Ernst Schläpfer

Wer im Ostschweizer-Fussball-Verband in irgend einer Form mit dem Schiedsrichter-Wesen zu tun hat, der kennt ihn. Er gehört zu den Urgesteinen der Schiedsrichter-Zunft in der Ostschweiz.

Für den FC Glarus ist Ernst Schläpfer gold wert. Dabei muss man wissen, dass jeder Fussball-Verein nur Teams an der Meisterschaft anmelden kann, wenn dieser auch genügend Schiedsrichter stellt. Pro Schiedsrichter können Vereine jeweils zwei Teams (gilt für Teams ab den C-Junioren) am Meisterschafts-Betrieb anmelden. Stellt ein Verein zu wenig Schiedsrichter, so können unter Umständen nicht alle Teams am Meisterschafts-Betrieb teilnehmen (so ist dies z.B. einem anderen Verein aus dem Glarnerland in der Saison 2019/2020 geschehen).

Seit mehreren Jahrzehnten garantiert Ernst Schläpfer dem FC Glarus, dass man durch sein Engagement pro Saison jeweils zwei zusätzliche Teams für den Meisterschafts-Betrieb anmelden kann. Für dieses Engagement wurde Ernst Schläpfer folgerichtig vor Jahren mit der Ehrenmitgliedschaft beim FC Glarus gewürdigt.

Er pfeift seit Jahren keine Spiele mehr. Als Coach für die aktiven Schiedsrichter ist er jedoch immer noch ein wichtiger Mann in der Schiedsrichter-Zunft des Ostschweizer-Fussball-Verbandes. Viele junge Schiedsrichter konnten von seinen Erfahrungen profitieren.

Das St. Galler Tagblatt hat bereits zwei Berichte  zu Ernst Schläpfer und seiner Tätigkeit als Coach publiziert.  Dabei geht es um die Arbeit als Schiedsrichter-Coach. Diese Berichte geben sehr gute Einblicke in die „Arbeit“ unseres Ehrenmitgliedes Ernst Schläpfer.

St. Galler Tagblatt 10.05.2011 (von Beni Bruggmann)
«Leichtes» Spiel für den Schiedsrichter

Diepoldsau-Schmitter verliert in der 2. Liga Interregional gegen Kreuzlingen 0:3. Der Fokus ist aber nicht auf die beiden Teams, sondern auf die fünf Schiedsrichter einer Doppelinspektion gerichtet.

Pierluigi Collina war einer der besten Schiedsrichter. 2004 hat der Italiener seine Karriere beendet. Sein Markenzeichen: Der kahle Kopf. Collina kommt einem in den Sinn, wenn man Ernst Schläpfer sieht: Schiedsrichter, kahler Kopf. Früher hat Schläpfer 1.-Liga-Spiele geleitet, heute ist er Inspizient. Als solcher hat er zusammen mit seinem Kollegen Martin Koller das Spiel in Diepoldsau besucht. Es ist eine Doppelinspektion: Schläpfer nimmt den Referee unter die Lupe, Koller die Assistenten.

Schläpfer führt genau Buch

Eine halbe Stunde vor Anpfiff melden sich Schläpfer und Koller beim Trio. Schiedsrichter Raphael Gentile und seine Assistenten erfahren nun, dass sie inspiziert werden. Während der ersten Halbzeit stehen Schläpfer und Koller getrennt, während der zweiten verfolgen sie zusammen jede Aktion. Nach dem Spiel werten sie ihre Notizen aus. Schläpfer ist präzise Buchführung gewohnt. Als Leiter Finanzen im Johanneum Neu St. Johann führt er Buch über Einnahmen und Ausgaben. Und wenn er ein Spiel inspiziert, führt er ebenfalls Buch: Plus oder Minus in Sachen Persönlichkeit, Spielleitung, Regeln, Zusammenarbeit und Fitness addiert er säuberlich. Nach Abpfiff treffen sich Unparteiische und Inspizienten in der Garderobe.

Von der Triller- zur Backpfeife

Eine halbe Stunde dauert die Auswertung der Regel-Fachmänner. Dann geniessen sie gemeinsam eine Wurst. Man spürt es den Fünfen an: Diesmal war es für sie ein «leichtes» Spiel. «Der Schiedsrichter hat sofort seine Linie gefunden, seine Persönlichkeit und seine Ruhe lenkten das Spiel in klare Bahnen. Die Akzeptanz war ausgezeichnet», sagte Schläpfer. Der 26jährige Gentile, der seit acht Jahren pfeift, wirkt entspannt, hat seine Trillerpfeife längst versorgt. Inspektor Schläpfer allerdings hat seine Backpfeife noch immer in der Hand. Beim Zuschauen und Notieren blieb sie unbenutzt. Nun ist die Inspektion abgeschlossen. Schläpfer kann anzünden.

St. Galler Tagblatt 01.04.2014 (von Beni Bruggmann)
Kleine Gesten fördern Fairness

Inspizient Ernst Schläpfer beurteilt in Kreuzlingen ein Schiedsrichter-Trio. Er sieht eine Spielleitung, die deutlich über dem Durchschnitt liegt – und in zwei Momenten entscheidend beeinflusst wird.

Sportplatz Hafenareal Kreuzlingen. Samstag 17.45 Uhr. Spiel Kreuzlingen gegen St. Margrethen. Die Positionen sind bezogen: Beide Teams sind aufgestellt, Schiedsrichter Eduardo Gil steht am Mittelkreis, seine beiden Assistentinnen Nina Böhner und Linda Schmid sind an beiden Seitenlinien bereit, und Inspizient Ernst Schläpfer überblickt von der Stehrampe aus den Platz, das Notizblatt auf dem kleinen Tisch vor sich. Anpfiff.

Eine schwierige Aufgabe

Es ist ein hektisches Spiel zu erwarten. In der Vorrunde siegte St. Margrethen 4:2. Damals gab es je drei gelbe Karten sowie eine rote für den Kreuzlinger Damian Gimenez. Und: St. Margrethen ist in der Fairness-Rangliste ganz hinten. Mit 72 Strafpunkten liegen die Rheintaler schweizweit auf dem vorletzten Platz. Rang 83, das ist kein Ruhmesblatt. Nur in Ascona wird noch unfairer gespielt. Aber die Partie verläuft diesmal anders. Die Fakten sprechen den Rheintalern ein grosses Kompliment aus: Elf Fouls im ganzen Spiel und keine einzige Verwarnung. Auch Kreuzlingens Spieler fallen nicht negativ auf. Nach 90 Minuten und einem ungefährdeten 3:0 für die Thurgauer stellt der Inspizient fest: «Das war eine tadellose Spielleitung.» Wenn man den Grund dafür sucht, findet man ihn in zwei Details am Anfang des Spiels. Schläpfer hat sie genau in Erinnerung. Nach sieben Minuten reklamiert St. Margrethens Abwehrspieler Ibrahim Erbek lautstark beim Schiedsrichter. Die Linienrichterin soll seiner Ansicht nach ein Abseits übersehen haben. Spielleiter Gil geht ruhig zum Spieler hin und ermahnt ihn. Er hat sich damit hinter seine Linienrichterin gestellt und Einheit dokumentiert.

Der Chef auf dem Platz

Als St. Margrethens Spieler ein Handspiel vermuten und einen Penalty verlangen, ist die Geste eindeutig: Kein Hands, weiterspielen. So wusste jedermann, wer Chef auf dem Platz ist. Und diese Chef-Rolle spielt der Schiedsrichter unaufdringlich. Er wirkt sportlich, ist aufmerksam und hat eine Linie. Vom Inspizienten lautet das abschliessende Urteil deshalb: «Er fällt nicht auf, und er ist von den Spielern akzeptiert.»

Ernst Schläpfer ist für das Gespräch, das lange nach Spielschluss in der Kabine der Schiedsrichter stattfindet, vorbereitet. Er kann viel Positives sagen. Und das Spielleitertrio wird mit gutem Gefühl heimreisen. Manchmal gibt es bei einem Fussballspiel eben mehr als nur ein Siegerteam.

Ernst Schläpfer – Ehrenmitglied FC Glarus

Der FC Glarus möchte an dieser Stelle wieder einmal Ernst Schläpfer für seine Tätigkeit danken. Ebenso danken möchte der FC Glarus auch seinen drei anderen Schiedsrichter (Markus Heer, Marc Schneider und Kajeevan Yogananthan), welche auch jeden Samstag für den FC Glarus auf den Fussball-Plätzen der Ostschweiz anzutreffen sind.

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